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Rathausuhr

Das Uhrwerk befindet sich im Turm des Rathauses, das 1713 nach einem großen Stadtbrand „zierlicher als vorhin“ und mit einem Turm versehen wiederaufgebaut wurde. Im Jahre 1756 beauftragte der Magistrat der Stadt Lenzen den Uhrmachermeister Johann Jochen Kahlbow aus Seehausen mit der Anfertigung der Stundenuhr.

Es handelt sich um ein handgeschmiedetes Uhrwerk, dessen Gestell 110 cm breit, 68 cm hoch und 55 cm tief ist. Der Unterbau besteht aus Holz. Die Uhr hat nur den Stundenzeiger und ein Schlagwerk, dass eine Glocke im Stundenschlag läuten lässt. Die Zahnräder sind, wie auch das Gestell, geschmiedet und nur von Splinten zusammengehalten, lediglich ein paar kleine Schrauben zeugen von der Wiedergangbarmachung in den Jahren 1994 bis 1999. Zwei Gewichte sorgen für den Gang, ein Gewicht für das Uhrwerk und ein Gewicht für das Läutewerk. Die Gewichte hängen seit der Wiedergangbarmachung an Stahlseilen, früher waren es Hanfseile. Der Aufzug erfolgte früher mittels einer Kurbel zweimal täglich. Heute werden die Gewichte zeitlich von elektronisch gesteuerten Motoren hochgezogen. Die Hemmung der Uhr erfolgt durch Haken.

Über das Zeigerrad, eine Welle aus Rundeisen, ein Umlenkgetriebe und zwei Zeigerwellen wird die Uhrzeit horizontal und ca. 3,2 m nach oben zur Süd- bzw. Nordseite des Turmes übertragen. Früher befanden sich zwei Zifferblätter aus Holz in einer Höhe von 17 m über dem Straßenniveau am Rathausturm. Diese fielen wegen des schlechten Zustandes in den fünfziger Jahren des 20. Jh. herunter, nachdem die Zeiger bereits schon nicht mehr vorhanden waren. Nach der Wiedergangbarmachung gibt es an der Süd- und an der Nordseite des Rathausturms nun jeweils zwei Zifferblätter aus Kupferblech in den Maßen 90 x 90 cm, schwarz lackiert und mit römischen Ziffern sowie jeweils nur einem Stundenzeiger.

Am Uhrwerk ist kein Hinweis auf Erbauer und Herstellungsjahr vermerkt, lediglich auf dem Zeigerrad aus Messing innen findet man neben den 12 Ziffern den Vermerk, dass der Uhrmacher D. F. Wilke es im Jahre 1832 repariert hat. Wegen des Vorhandenseins des Messingrades ist anzunehmen, dass der Zeigerantrieb später nachgerüstet wurde. Dem Schriftverkehr und den Protokollen der Ratssitzungen ist zu entnehmen, dass es seit 1920 Probleme mit der Uhr gab. In einem Zeitungsartikel von 1933 fragt ein Leser nach, wann wieder der helle Klang der Rathausuhr zu hören sei. Das Uhrwerk geriet in Vergessenheit und stand Jahrzehnte lang still. Mit der Bildung des Amtes Lenzen-Elbtalaue wurde auf dem Dachboden im Turm das alte defekte Uhrwerk wiederentdeckt.

Der gelernter Schmied und Hobby-Uhrmacher Alfred Jahnke machte das Uhrwerk wieder gangbar. Die Arbeiten zogen sich jedoch aus technischen, finanziellen und organisatorischen Gründen von 1994 bis zur Einweihung im Jahre 1999 hin.

Eine Tafel an der Rathausfassade weist auf „Die Uhr mit nur einem Zeiger“ hin. Sie gibt Auskunft darüber, dass im 18. Jahrhundert die Menschen mit der Genauigkeit des Stundenmaßes zufrieden waren und stellt gleichzeitig die Frage, ob die Menschen irgendwann die Zeit wieder mit so viel Muße betrachten werden, dass Ihnen das Wissen um die volle Stunde reicht. Inzwischen läuft das Uhrwerk ununterbrochen, zeigt die Zeit im Stundenmaß und schlägt stündlich.

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