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Geschichte
prähistorisches Zeitalter
Seit vorhistorischer Zeit versucht der Mensch durch Beobachtung der
Himmelsgestirne, Sonne und Mond die Jahreszeiten und damit den Wetterverlauf
besser einzuschätzen. Im alten Ägypten wurde der Ägyptische Kalender entwickelt.
Mit zunehmendem Handel war eine genauere Form der Zeiterfassung notwendig. Mit
Hilfe der Sonnenuhr wurde vermutlich ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. der Tag in
mehrere Zeiteinheiten aufgeteilt und ermöglichte so Verabredungen zu einem
vorbestimmten Zeitpunkt.
Antike
Seit dem 14 Jhd. v. Chr. wurden in Ägypten neben Sonnen- auch die etwas
ungenaueren Wasseruhren verwendet. Letztere hatten allerdings den Vorteil, dass
sie tageslichtunabhängig waren. Durch immer weitere Verbesserungen gelang es
schließlich im 2. Jhd. v. Chr. eine relativ genaue Wasseruhr mit Zifferblatt und
Zeiger herzustellen. Im antiken Griechenland wurden diese Uhren zur Begrenzung
der Redezeit vor Gericht eingesetzt. Die Redewendung "Die Zeit ist abgelaufen"
lässt sich auf diese Form der Zeitbegrenzung zurückführen. Der Zeitbegriff
Chronos für die Aneinanderreihung gleich langer Perioden stammt auch aus dem
antiken Griechenland.
Mittelalter
Neben der Sonnen- und Wasseruhr etablierte sich ab 900 n. Chr. in Europa auch
die Kerzenuhr. Kerzen mit definierten Formen und Größen brannten in einer
bestimmten - und bekannten - Zeitdauer ab. Diese Uhren konnten nicht nur
unabhängig vom Tageslicht genutzt werden, sondern waren auch einfach im Umgang
und verfügbar. Mönche verwendeten zum Teil auch Kerzen mit eingegossenen
Metallkugeln. Beim Abbrennen der Kerze lösten sich die Kugeln und fielen nach
Ablauf einer definierten Zeiteinheit in einen Behälter aus Metall. Das
akustische Signal konnte so zum Beispiel das Erreichen einer vollen Stunde
anzeigen. Neben den Kerzen wurden aber auch Öllampen, langsam abbrennende
Zündschnüre oder (zumindest in China) auch Räucherstäbchen verwendet.
Entwicklung der mechanischen Uhr
Uhrmacherin der Firma Hamilton Watches
Uhrmacherin der Firma Hamilton Watches
Ab wann genau die mechanische Uhr verwendet wird, ist nicht bekannt. Der Begriff
Uhrmacher zumindest wurde zum ersten Mal 1269 auf einer Bierrechnung für das
Kloster Beaulieu erwähnt. Es lässt sich nur vermuten, dass die erste Räderuhr
bereits im frühen Hochmittelalter konstruiert wurde. Die erste urkundliche
Erwähnung einer mechanischen Uhr datiert auf das Jahr 1335 und bezieht sich auf
ein Gerät in der Kapelle des Palastes der Visconti in Mailand. Diese
mechanischen Uhren wurden stetig weiterentwickelt, so erfand Heinrich Arnold
1427 die Uhrfeder. Bei diesen ersten mechanischen Uhren handelte es sich um
große Instrumente, welche zunächst in einigen Klöstern und großen Kirchen
angebracht wurden. Ihrem Zweck nach sollten sie vor allem dem Klerus die Zeit
für die 7 Tagesgebete (Horen) läuten. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts gab es
auch in den meisten großen europäischen Städten eine Räderuhr. Ihre schnelle
Verbreitung lässt sich sicherlich auf die Tatsache zurückführen, dass eine
solche Uhr ein Symbol für den Reichtum der jeweiligen Stadt war.
Die zuverlässige und weitaus billigere Sanduhr blieb noch im 14. Jahrhundert
eine ernstzunehmende Konkurrenz. Ihre weite Verbreitung hing mit dem
vielfältigen Einsatzbereich zusammen, denn sie wurde nicht nur in Kirchen und
Bürgerhäusern genutzt, sondern auch in der Schifffahrt.
Taschenuhr, vermutlich um 1900
Taschenuhr, vermutlich um 1900
Die Genauigkeit der mechanischen Uhr erfuhr zahlreiche Verbesserungen. Mit einer
stark verringerten Größe fanden Uhren nun auch in einer Tasche eines
Kleidungsstückes Platz. Die Taschenuhr wurde zum Schmuckstück und damit Teil der
damaligen Mode. Die erstmals von Peter Henlein 1510 hergestellte berühmte
Taschenuhr Nürnberger Eieruhr verdankt ihren Namen übrigens einem
Übersetzungsfehler: so wurde aus dem ursprünglichen "Ueurlein" ein "Eierlein".
1657 fertigte Christian Huygens die erste Pendeluhr.
Neuzeit
Alte Schwarzwälder Lackschild-Uhr
Alte Schwarzwälder Lackschild-Uhr
Die Entwicklung genauer Uhren (Chronometer) wurde lange Zeit durch die Seefahrt
vorangetrieben, da nur mit Hilfe von Bord-Uhren die Bestimmung der geografischen
Länge unabhängig von bekannten Landmarken möglich war. Die Geschichte der
Bord-Uhren ist dabei im Besonderen mit dem Uhrmacher John Harrison verbunden,
der zur Lösung des Längengradproblems Uhren mit höchster Genauigkeit (Längenuhr)
fabrizierte.
Wichtige Zentren des Uhrmacherhandwerks lagen damals in Frankreich (Blois und
Paris), Deutschland (Augsburg und Nürnberg), Schweiz (Genf) und in England
(London).
Moderne
Werksuhr gestaltet von Peter Behrens, 1909
Werksuhr gestaltet von Peter Behrens, 1909
Mit der Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch die
Massenproduktion von Uhren, insbesondere der Regulator-Wand- und Tischuhr
möglich. Fortschritte in der Feinmechanik und später der Elektronik ermöglichten
auch die sehr anspruchsvolle Fertigung von Taschenuhren mit einer Grande
Complication. Eine weitere Miniaturisierung des Uhrwerkes ließ zur Wende des 20.
Jahrhunderts die Uhr auf Armbandgröße schrumpfen, die Armbanduhr. 1923
entwickelte John Harwood die Automatikuhr.
Elektrische und elektronische Uhren
Eine Quarzarmbanduhr
Eine Quarzarmbanduhr
Bereits wenige Jahre nach der Einführung der Automatikuhr entdeckte Warren Alwin
Marrison die Eigenschwingung des Quarzkristalls und ermöglichte so die
Entwicklung der Quarzuhr. Bei dieser wurde die isochrone Pendelbewegung durch
die Kristallschwingung ersetzt. Aber zunächst waren solche Uhren nicht als
Konsumgüter erhältlich.
Ein historisch kurzes aber dennoch wichtiges Intermezzo stellten die
elektrischen Uhren dar, deren Zeitgeber die Frequenz des Wechselstromnetzes
nutzte. Sie waren preiswert herzustellen und führten zur Elektrifizierung der
Uhrwerke. Trotz ihrer systembedingten begrenzten Genauigkeit waren elektrische
Großuhren in Industrie und öffentlichen Einrichtungen beliebt. Sie waren auch
ein Impuls zur Entwicklung von preiswerten Schrittschaltmotoren, einer wichtigen
Voraussetzung für die Quarzuhr.
Der nächste große Entwicklungsschritt war die Atomuhr, welche 1949 zum ersten
Mal eingesetzt wurde. Seit 1967 sendet die Atomuhr in Braunschweig über
Mainflingen auf Langwelle mit einer ungefähren Reichweite von 1,5 Mm in
regelmäßigen Abständen Funksignale mit kodierten Zeitinformationen (DCF77),
welche alle erreichbaren Funkuhren Mitteleuropas synchronisieren.
Der historische Trend zur Verkleinerung
Die ersten sogenannten Räderuhren (=mechanische Uhren) standen in Klöstern und
in den Schiffen von Kathedralen, wo sie allerdings weniger den Zweck der
Zeitanzeige für die Allgemeinheit erfüllten. Diese Uhren waren eine Projektion
des geozentrischen Weltbildes auf eine flache Ebene, wobei die Tierkreiszeichen,
Tag-/Nachtstunden sowie die Himmelskörperzeit als auch die Temporalstunden
abgebildet wurden. Ihr Hauptzweck vor allem war, die Zeit für die Tagesgebete zu
läuten. Erst später wurden an Kirchtürmen Turmuhren angebracht, um der
Allgemeinheit, der damals weder eine Standuhr, Wanduhr oder gar eine Taschenuhr
erschwinglich war, die Zeit anzuzeigen. Mit ausklingendem Mittelalter gestattete
eine sich zunehmend verbreitende, feine noch handwerkliche Serienfertigung
wohlhabenden Bürgern den Privatbesitz von Wand-, Tisch- und Taschenuhren. Aber
erst die Massenproduktion des Industriezeitalters zusammen mit der Entwicklung
der elektronischen Technik ließ Wand-, Tisch- und Armbanduhren und andere in
allerlei Geräte eingebaute Uhren preiswert werden.
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